Faszination Tanzsport

Tanzen ist Fitnesstraining für den gesamten Körper. Tanzen kostet viel Schweiß, bringt dafür aber auch deutlich mehr Spaß ins Leben! 

Tanzen übt Faszination aus. Die einen lassen sich als Zuschauer begeistern, die anderen erleben beim eigenen Tanzen unzählige Glücksmomente! Manche Tänzer bezeichnen sich sogar selbst als „tanzsportsüchtig“. Doch was steckt hinter der Faszination Tanzsport? 

Man hört und liest gelegentlich, dass ein getanzter Turniertanz der konditionellen Leistung eines 400-Meter-Laufs entspricht. Wer mit Tanzsport fit werden oder sich fit halten möchte, sollte regelmäßig zwei- bis dreimal pro Woche trainieren. Durch das gemeinsame Tanzerlebnis in der Gruppe wird der Sport weniger als Anstrengung, sondern mehr als Spaß wahrgenommen. 

Allgemein wirkt Sport gegen viele Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck oder Fettleibigkeit. Tanzen als Leistungssport fordert und trainiert nahezu alle Muskeln des Tanzenden, verbessert Kondition, Koordination, Kraft, Körperbeherrschung, Balance, Rhythmusgefühl und vieles mehr. Doch auch für Einsteiger ist Tanzen gut:  die Choreographie zu erlernen und zu behalten trainiert das Gedächtnis und dank der guten Atmosphäre lassen sich leichter soziale Kontakte knüpfen und pflegen. Gerade bei älter werdenden Menschen schreiben Mediziner dem Tanzen eine vorbeugende Wirkung gegen Alzheimer und Altersdemenz zu.

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Wissenschaftliche Studien legen zweierlei Schlussfolgerungen für die Faszination Tanzsport nahe. Erstens: Wie bei vielen anderen Sportarten auch, versetzen uns Endocannabinoide in einen rauschähnlichen Zustand. Diese körpereigenen Substanzen werden beim Sport vermehrt ausgeschüttet. Die sportliche Betätigung erhöht zudem den Gehalt von Serotonin, Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin im Blut. Als „Runner’s High“ wird der Zustand bezeichnet, wenn sich beim Sportler durch die Freisetzung von Endorphinen ein Glücksgefühl einstellt. Ob nun Hormone alleine für die Wirkung verantwortlich sind oder auch andere Botenstoffe eine Rolle spielen – fest steht jedenfalls, dass der Sportler Stress abbaut, seine Stimmung positiv beeinflusst wird und dies wiederum dauerhaft sein Immunsystem stärkt.

Zweitens: Beim Tanzen wird das Gehirn ganzheitlich gefordert. Die linke Hemisphäre des Großhirns steht für rationales Denken, Logik, Analytik, aber auch für Konzentration auf einen Punkt (Fokus), einzelne Schritte und Zusammenhänge (Technik) sowie Zeitempfinden. Die rechte Hemisphäre des Großhirns soll für Intuition, Kreativität, ganzheitliche Zusammenhänge, Musikalität und das Raumempfinden verantwortlich sein. Im limbischen System werden die aus der Umwelt eingetroffenen Informationen bewertet. Es ist für das Lernen und die Verarbeitung von Gefühlen wichtig. Der Hippocampus, die Schaltzentrale zwischen Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis, ist für das Einprägen neuer Informationen zuständig. Das kinesthätische Sinnessystem umfasst Orientierung und Raumsinn und ist mit anderen Hirnfunktionen wie Sprache, Lernen und Emotionen verknüpft. Das Gehirn arbeitet beim Tanzen quasi „auf Hochtouren“.

Obwohl der wissenschaftliche Beweis dafür noch zu erbringen wäre, erscheint es durchaus möglich, dass genau die Kombination dieser beiden Punkte maßgeblich die Faszination Tanzsport beim aktiven Tanzsportler auslösen.

Und was fasziniert den Zuschauer?


Auf diese Frage kommen meist Schlagworte wie Eleganz, Anmut, ästhetische Bewegungen und absolute Körperbeherrschung bei scheinbarer Leichtigkeit des Gezeigten als Antwort. Zum einen sind da die beeindruckenden Bewegungen, die der Zuschauer staunend verfolgt, aber nicht nachmachen kann. Zum anderen gibt es die Bewegungen, die der Zuschauer aus eigener Erfahrung nachempfinden und mitfühlen kann. Die gelungene Mischung aus beidem nimmt den Zuschauer mit. Besitzen die Vortragenden dazu noch eine positive Ausstrahlung, vermitteln Selbstsicherheit und Freude, nehmen sie den Zuschauer endgültig für sich ein.

Das Mitwippen mit den Füßen und/oder den Köpfen, das Klatschen, das Schunkeln – all das sind Zeichen für das Erkennen des gehörten Rhythmus’ und seiner positiven Sinneswahrnehmung beim Publikum, stellen also die kognitive Verarbeitung der aufgenommenen Reize dar. Wenn dazu optisch stimmig die passende Bewegung auf der Bühne erfolgt – wenn also das, was der Zuschauer sieht, sich zu einer Einheit verbindet mit dem, was der Zuschauer hört, dann stellt sich das Empfinden von Ästhetik und Harmonie ein. Im Extremfall kann dies sogar bis zu Tränen der Rührung beim Zuschauer führen. Dieser Ausdruck des überwältigenden Gefühls ist das höchste Lob, das einem Tänzer oder einer Tänzerin zuteil werden kann.

Die Faszination Tanzsport bleibt vielschichtig und ist mit Worten nur sehr schwer zu vermitteln. Am ehesten wird man sie vermutlich im Selbstversuch kennenlernen und nachvollziehen können. Doch Vorsicht: Wer einmal richtig mit dem Tanzsport begonnen hat, kommt nur schwer wieder davon los…

Quelle:
Daniel Reichling
(Pressesprecher Tanzsport Deutschland)

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